„Insomnia“ (2002) Christopher Nolans Remake des norwegischen Thrillers von 1997 ist ein seltenes Beispiel, bei dem das englischsprachige Pendant mindestens ebenso intensiv wirkt. Al Pacino spielt einen LAPD-Detektiv, der in Alaska ermittelt – wo die Sonne monatelang nicht untergeht und Schlaflosigkeit zu Halluzinationen führt. Nachdem er versehentlich seinen Partner erschießt, gerät er in ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Mörder (Robin Williams in einer untypischen, kühlen Rolle). Nolan nutzt das ewige Tageslicht als psychologisches Druckmittel: Ohne Dunkelheit gibt es keine Flucht, kein Versteck – weder vor der Tat noch vor dem eigenen Gewissen. Wo das Original poetisch und melancholisch war, ist Nolans Version klarer, straffer, fast klinisch – doch genauso moralisch ambivalent. Pacinos schweißnasse Verzweiflung und Williams’ ruhige Berechnung erzeugen elektrische Spannung. Das Remake verzichtet auf Action zugunsten ethischer Grauzonen: Wer ist hier wirklich schuldig? Nolan beweist früh sein Talent für atmosphärisches Storytelling – und zeigt, dass ein Remake nicht kopieren muss, sondern interpretieren darf. Beide Filme sind großartig – doch Nolans Version erreichte ein globales Publikum und prägte seine Karriere entscheidend.
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