Mutter-dominierte Kinderbetreuung mit geteilter Haushaltsführung In vielen westlichen Mittelschichtshaushalten übernimmt die Mutter den Großteil der Kinderbetreuung – von Schulaufgaben über Arztterminen bis zur emotionalen Begleitung –, während alltägliche Haushaltsaufgaben wie Kochen, Putzen oder Müllentsorgung gleichberechtigt geteilt werden. Dieses hybride Modell reflektiert Fortschritte in der klassischen Hausarbeit, nicht aber in der unsichtbaren Sorgearbeit. Väter sind präsenter als früher, bleiben aber oft in der Rolle des „Helfers“, nicht des gleichwertigen Erziehers. Die Mutter behält die „Projektleitung Familie“: Sie merkt sich Impftermine, organisiert Geburtstage und koordiniert Schulangelegenheiten. Studien zeigen, dass diese mentale Last bis zu 15 Stunden pro Woche umfasst. Das Modell wirkt modern, verschleiert aber persistente Geschlechterungleichheiten. Es ist besonders verbreitet in Ländern mit unzureichender staatlicher Kinderbetreuung wie den USA oder der Schweiz. Dennoch ermöglicht es Männern, aktiver am Familienleben teilzunehmen, und Frauen, beruflich Fuß zu fassen – wenn auch oft mit Kompromissen. Es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zu echter Gleichstellung, der jedoch ohne bewusste Reflexion schnell zur neuen Norm der Ungleichheit wird.
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